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Rückenschule PDF Print E-mail
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Über den Rücken

 

Schenkelgänger

 

Das junge Pferd reagiert auf Sattel und Reitergewicht automatisch mit einem Zusammenziehen der Muskeln der Oberlinie und einem Loslassen der Muskeln der Unterlinie.

Dies hat folgende Konsequenzen:

Erheben des Kopfes

Strecken des Genicks

Hirschhals

Zwischen den Schultern durch gedrückter Widerrist

Rücken und Nierenpartie werden durch gedrückt

Offenes Fundament

Physische und psychische Verspannungen

Der Reiter sitzt auf der Wirbelsäule

Kissing Spines

Die Vorderfüße werden unnatürlich hoch geworfen, dadurch drückt das Pferd den Rücken weg und macht hinten kurze Tritte um die Vorderhand auszubalancieren. Die Bewegung fühlt sich für den Reiter hart und verspannt an. Das Pferd schiebt mit den Hinterbeinen vom Schwerpunkt weg anstatt unter ihn zu greifen. Dadurch wird die Schubkraft stärker als die Tragkraft. Die Bewegungen werden immer schneller und flacher. Der Reiter bekommt Mühe, schön zu sitzen und mit der Bewegung des Pferdes mit zu gehen. Er verspannt sich und fällt dem Pferd in den Rücken. Dadurch verspannt sich das Pferd noch mehr – Ein Teufelskreis entsteht.

Auf gebogenen Linien wendet das Pferd „aus dem Gleichgewicht“. Es ist nach außen gebogen und legt sich auf das innere Beinpaar. Die Hinterhand fällt nach außen, die innere Schulter nach innen und das Pferd benutzt den Hals als Balancierstange.

All dies führt zu muskulären Disbalancen. Die vorwiegend tonischen Muskeln (Haltemuskulatur) verkürzen sich und die vorwiegend phasischen Muskeln (Bewegungsmuskulatur) schwächen ab. Dadurch fängt das Pferd an kurz und hastig zu gehen.

 

Rückengänger

 

Der Reiter will ein Pferd, das ruhig, geschmeidig (weich zu sitzen) und gehorsam ist. Das Pferd soll lernen, den Reiter mit locker schwingenden Rücken zu tragen. Aus diesem Grund steht die Ausbildung der Tragkraft im Gegensatz zur Ausbildung der Schubkraft im Vordergrund.

 

Dehnung der Oberlinie

 

Die Muskeln des Musculus Brachiocephalicus können das Genick nur biegen und den Hals wölben, wenn der M. Semispinalis capitis sich dehnt. Dann hebt der Halsteil des M. Serratus cervisis das Halsfundament in Verbindung mit dem Nackenband an durch dessen Anspannung sich das gesamte Rückgrat rundet. Nun wird der Reiter von den locker schwingenden Rückenmuskeln getragen und sitzt nicht mehr auf den Dornfortsätzen.

Lenden- und Bauchmuskeln können nur in dem Ausmaß durch ihr Zusammenziehen die Nierenpartie wölben und die Hinterbeine zum Untertreten bringen, in dem der M. Longissimus dorsi sich dehnt.

 

Dehnung des Halses

 

Die Dehnung wird durch Senken des Kopfes, bis die untere Halslinie gerade wird, erreicht. Natürlich hängt es vom Gebäude ab, wie tief ein Hals eingestellt werden soll. Grundsätzlich muss ein tief angesetzter Hirschhals tiefer eingestellt werden als ein majestätisch hoch angesetzter Hals.

 

Biegung ruft Dehnung hervor und Dehnung erhöht die Biegsamkeit.

 

So kann der M. Semispinalis capitis durch Biegen des Halses gedehnt werden. Der Widerstand wird durch wechselnde Rechts- und Linksbiegung aufgelöst.

 

Dehnung der Rücken- und Nierenpartie:

 

Was für den Hals gilt, gilt auch für den Rücken. Der M. Longissimus dorsi verbindet das Becken mit dem Halsfundament. Daraus folgt, dass eine deutliche Biegung des Halses die vorderen Ansätze der Rückenmuskulatur nach der konvexen (holen) Seite zieht. Die Halsbiegung überträgt sich somit auf den Rest der Wirbelsäule. Somit haben wir auch die Rücken- und Nierenpartie gebogen und gedehnt.

 

Formgebung der Oberlinie

 

Dehnungshaltung

 

In der Dehungshaltung hat das Pferd einen möglichst langen und raugreifenden Schritt/Tritt oder Sprung. Um sicherzu-stellen, dass das Pferd über den locker schwingenden Rücken geht, wird es viel auf gebogenen Linien und mit Stellung und Biegung geritten. Es kann die Gangart Wechseln und grossee Wendungen aus-führen. Remonten und Korre-kturpferde werden (abge-sehen von Schrittpausen am langen Zügel) je nach Inter- und Exterieur nur so vorwärts-abwärts geritten.

 

Versammlung

 

Längerfristig aber, wollen wir ein Pferd versammeln um es mobiler zu machen und damit befähigen, die reiterlichen Hilfen schneller umzusetzen.

Ein versammeltes Pferd biegt sich vermehrt in den Hanken und greift mit den Hinterbeinen weiter unter den Schwerpunkt. Die Schubkraft wird in Tragkraft umgewandelt. Das. Das Halsfundament richtet sich auf und der Rücken wölbt sich. Je mehr wir versammeln wollen, desto mehr müssen wir gerade richten. Dies geht jedoch nur soweit, wie die Hinterbeine noch locker unter den Schwerpunkt schwingen können und das Pferd im Rücken locker bleibt und den Hals rund machen kann.

Sich zu versammeln wird dem Pferd nach und nach mittels Reiten von aufeinander abgestimmten Lektionen beigebracht. Niemals kann man sie bloß mittels vorne festhalten und hinten treiben erzwingen. Denn Zwang verhindert Losgelassenheit und ohne Losgelassenheit gibt es keine Versammlung. Allzu groß ist die Gefahr, dass das Pferd sich verspannt und wieder in die „Remontenhaltung“ geht. Selbst dann, wenn ein Pferd die volle Versammlungsfähigkeit besitzt, soll es immer wieder in die Dehnungshaltung entlassen werden. Es ist nicht wichtig, ob man die Piaffe erreichen wird. Vielmehr zählt wie man darauf hinarbeitet.